 |  |  | | | Ganz ehrlich, liebe Leser:
Fantasy fand ich anfangs doof. Ich war
Science-Fiction-Leser, jemand also, der sich mit naturwissenschaftlich
fundierter Literatur und der Zukunft auseinandersetzte - und darauf war ich
stolz. PERRY RHODAN faszinierte mich viel mehr, und ich wollte gar nichts
von irgendwelchen Zauberern, Kriegern und Ungeheuern lesen.
Doch irgendwann einmal - steter Tropfen höhlt den Stein! - machte sich die
Werbung bemerkbar: Ich kaufte mir einen Band der neu gestarteten
Taschenbuchreihe TERRA FANTASY, las ihn und war völlig begeistert. Der
Herausgeber, ein gewisser Hugh Walker, eröffnete mir mit seiner Buchreihe
eine ganz neue Welt, eine Welt der Fantasie, die zum Träumen einlud, die
zwar nicht naturwissenschaftlich fundiert war, die aber trotzdem in sich
logisch und nachvollziehbar war. Vor allem gab es da verdammt viele Welten
...
Anfangs der 80er Jahre dürfte ich so ziemlich alles an Fantasy gelesen
haben, was zu jener Zeit neu auf den Markt kam. Zumindest all das, was mir
wichtig und interessant erschien. Schwache Bücher wie der »Shannara«-Zyklus
von Terry Brooks sortierte ich rasch aus, das sah zu sehr nach Tolkiens
Mittelerde aus. Und als in der TERRA FANTASY-Reihe zu viele Epigonen von
Robert E. Howard auftauchten, ignorierte ich diese ebenfalls.
MYTHOR hingegen begeisterte mich. Die zweite deutschsprachige Fantasy-Reihe,
die 1980 auf den Markt kam, erschien wöchentlich und war wesentlich besser
strukturiert als DRAGON, der erste Versuch, eine solche Reihe zu starten -
wobei ich DRAGON in meiner Ignoranz und aufgrund meiner Jugend gar nicht
mitbekommen hatte.
Bei MYTHOR stimmte alles. Das war spannend, es gab ohne Ende Action; dazu
kamen Mystik und eine Prise Erotik. Die Autoren schrieben wie in Hochform,
als ob sie nie etwas anderes getan hätten, als Fantasy zu verfassen. Ernst
Vlcek mit seinem Barbaren Nottr, Hans Kneifel mit seinen ausgefallenen Ideen
und Hugh Walker mit seinen eher düsteren Abenteuern waren meine Favoriten,
aber auch die anderen wußten zu überzeugen.
Und jetzt gibt es MYTHOR wieder. Diese Woche kam das erste Buch der neuen
MYTHOR-Reihe aus der Druckerei, und ich bin so stolz darauf. Die
Zusammenarbeit zwischen der Verlagsunion Pabel-Moewig und dem
Weltbild-Verlag bescherte uns schon 19 DRAGON-Bücher; jetzt bin ich
gespannt, wie es mit MYTHOR weitergeht.
Das erste Buch - »Der Sohn des Kometen« - enthält die ersten drei Romane von
Hugh Walker, Horst Hoffmann und Ernst Vlcek; sie ziehen den Leser geradezu
hinein in die fantastische Welt, durch die sich der jugendliche Held Mythor
zu bewegen hat. Für das Vorwort übernahm ich große Teile des klassischen
MYTHOR-Vorworts von 1980, somit wurde das »neue« von Ernst Vlcek und mir
zusammen geschrieben.
Die Bearbeitung übernahm Hubert Straßl - genau jener Mann, der unter seinem
Pseudonym Hugh Walker meine jugendlichen Leseerfahrungen ganz massiv geprägt
hat. Und Dr. Helmut W. Pesch, der in den frühen 80er Jahren durch seine
Landkarten die Welt der Serie begreifbar gemacht hat, steuerte diesmal eine
ganz neue Landkarte bei, die »Mythors Welt« zeigt. Dazu die schöne
Gestaltung des Buches und das tolle Titelbild von Ken Kelly - ich bin
hellauf begeistert!
Und ich hoffe, daß ich einen Teil meiner Begeisterung auch auf die Leser
dieser Zeilen übertragen konnte...
Klaus N. FrickLeseprobe | |  |      |  |  | Mythor ist ein eingetragenes Warenzeichen der Pabel-Moewig Verlag GmbH, Rastatt. |