Hans Kneifel - Spezialist für Geschichte und Geschichten

Über Jahrzehnte hinweg schilderte Hans Kneifel in der deutschsprachigen Science Fiction gerne die angenehmeren Dinge des Lebens: Seine Helden waren belesen, hörten begeistert gute Musik, tranken und aßen gerne, sie interessierten sich stark für das andere Geschlecht, und sie wußten sich stets mit frechen Sprüchen aus der Affäre zu ziehen. Zur Fantasy gelangte er erst 1973 durch die DRAGON-Serie, für die er nach William Voltz‘ Atlantis-Trilogie die ersten drei »genre-echten« Romane sowie zwölf weitere Hefte schrieb.
Hans Kneifel, der am 11. Juli 1936 im oberschlesischen Gleiwitz geboren wurde und später in Oberbayern und München aufwuchs, absolvierte zuerst eine »anständige« Berufsausbildung, die er mit dem Beruf eines Konditormeisters abschloß. Nach dem Begabtenabitur im Jahr 1960 folgte ein Pädagogik-Studium, das er 1965 mit dem Staatsexamen abschloß; danach arbeitete Kneifel einige Zeit als Berufsschullehrer. Parallel zur Berufsausbildung wurde aus dem Science-Fiction-Fan ein SF-Autor. Sein erster Roman »Uns riefen die Sterne« erschien bereits 1956; es folgten zahlreiche andere Romane, und spätestens in der zweiten Hälfte der 60er und in den 70er Jahren wurde Kneifel zu einem der fleißigsten SF-Schriftsteller im deutschsprachigen Raum. Zu den bekanntesten Arbeiten der sechziger Jahre gehören die Zyklen um »Das zweite Imperium der Menschheit« und »Die interstellaren Händler« - letzterer hat bei Freunden und Kritikerfeinden einen schon legendär zu nennenden Status.
Kein Wunder, daß er den bürgerlichen Beruf aufgab und sich ausschließlich auf die Schriftstellerei konzentrierte. Der Wahl-Münchener wurde in erster Linie als Autor von Romanen zu Heftserien wie PERRY RHODAN und ATLAN bekannt - für letztere Serie schrieb er die meisten, nämlich 135 Romanhefte. Er schrieb aber auch die offiziellen Bücher zur Fernsehserie »Raumpatrouille Orion« sowie Dutzende weiterer »Orion«- Romane, die die Fernsehserie fortsetzten. Dazu kommen Seeräuberromane (unter dem Pseudonym Sean Beaufort), historische Abenteuer, einige Horror-Romane, darunter für die beste einschlägige Serie der siebziger Jahre »Dämonenkiller«, für die er das Pseudonym Hivar Kelasker verwendete, und eben zahlreiche Fantasy-Romane bei DRAGON (1973-1974) und später bei MYTHOR (1980-1985).
Zwar ist Hans Kneifel in so ziemlich jedem Genre sattelfest, aber dominierend bei seiner Arbeit ist die Begeisterung für historische Stoffe: Jahrelang schrieb er Taschenbücher, in denen die Abenteuer des unsterblichen Arkoniden Atlan beschrieben werden, der gezwungen ist, sich 10.000 Jahre lang auf der barbarischen Erde mit Königen und Zauberern, mit außerirdischen Besuchern und Dimensionstoren herumzuschlagen. Von Jahr zu Jahr wurden Kneifels Recherchen besser und genauer, seine Romane glaubhafter und packender. Mit Abschluß der sogenannten Atlan-Zeitabenteuer machte er sich daran, die Bände für eine Buchausgabe vorzubereiten. Die ATLAN-Hardcover erscheinen seit 1992 und werden nach Kneifels Taschenbuchüberarbeitungen ab Band 14 von Rainer Castor fortgeführt.
Durch eben diese Recherchen gewannen auch seine Fantasy-Beiträge für DRAGON und Barbar Luxon die tragende Rolle spielt, sowie als »Interimsexpokrat« die Vorlagen für die Hefte 181 und 182 - an der erforderlichen pseudohistorischen Authentizität. Bei Fantasy-Stoffen geht es nun einmal nicht nur darum, daß ein Schwertkampf spannend beschrieben wird und möglichst unheimlich klingende Zaubersprüche die Leser in ihren »Bann« ziehen, sondern die »Alltagstechnologie« der jeweiligen Welt muß in sich geschlossen und stimmig sein. Und bei Kneifels Fantasy-Romanen stimmt jede Sattelschnalle, jedes Toppsegel, jeder Schwertgriff.
Kein Wunder, daß er ab 1992 zu einem beliebten Schriftsteller im Bereich des »großen historischen Romans« wurde. Die gebundenen Ausgaben seiner Romane um die ägyptische Pharaonin Hatschepsut und andere historische Gestalten verkauften sich jeweils zu Zigtausenden. Die »Anfänge« im Heftromanbereich hat der Autor indes nie verleugnet. Aus diesem Grund schrieb er auch »mehr aus Spaß« einen Gastroman für die PERRY RHODAN-Reihe, der im Frühjahr 2000 erschien; ein weiterer Gastroman ist ebenfalls nicht ausgeschlossen. Wann es von Hans Kneifel neue »echte« Fantasy-Romane geben wird, bleibt abzuwarten: Immerhin legte er 1999 mit »Die Ritter von Avalon« einen Roman um König Artus und seine Tafelrunde vor, der auf phantastische Elemente fast völlig verzichtet.
Seine Fördertätigkeit für Nachwuchsautoren darf nicht unerwähnt bleiben. Konrad Schaef, Peter Terrid und Rainer Castor verdanken ihm Ermunterung, Handwerkszeug und zumindest den jeweiligen Beginn ihrer schriftstellerischen Laufbahnen.
 
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