Peter Terrid - ein Garant für Spannung mit Hintergrund

Seine Spezialität war die spannende, lebensnahe Darstellung von Menschen oder Außerirdischen in Extremsituationen, in denen sie über ihr »normales Maß« hinauswachsen müssen. Die Rede ist von dem Kölner Schriftsteller Wolfpeter Ritter, der unter dem Pseudonym Peter Terrid unzählige Science-Fiction-, Fantasy- und Abenteuer- Romane schrieb.
Bereits im Verlauf seiner Studentenzeit schlug der am 15. Januar 1949 in Krefeld- Uerdingen geborene Wolfpeter Ritter alias Peter Terrid den Weg zur Schriftstellerei ein: Tagsüber studierte der Kölner im Wintersemester 1969/70 Geschichte, Soziologie und politische Wissenschaften, abends setzte er sich an die Schreibmaschine und verfaßte seinen ersten Roman.»Mit bodenloser Unverschämtheit bat ich dann einen der PERRY RHODAN-Autoren, mir bei meinen literarischen Gehversuchen zu helfen.« Terrid schickte sein Manuskript nach München, wo sich sein Vorbild Hans Kneifel die Zeit nahm und das Werk prüfte. Terrid selbstkritisch: »Meinen ersten Roman mußte ich viermal neu schreiben, bevor mein freundlicher Helfer ihn endlich an den Lektor abschickte.«
Das tat dem Werk offenbar gut: »Das Pendel der Zeit«, ein packend geschriebenes Zeitreise-Abenteuer, kam 1970 in der Heftreihe »Terra Nova« heraus. Rasch folgten weitere Romane, darunter der vierbändige »Delta Ursa«-Zyklus, der thematisch Jack Vances Alastor-Romane vorwegnahm, sowie die Abenteuer der »Adventures Incorporated«, die dem Autor bei Kritikern wie Lesern einen sehr guten Ruf verschafften. Grund genug für Terrid, das ungeliebte Studium nach der Zwischenprüfung sausen zu lassen und sich vollends auf das Wagnis der freien Schriftstellerei einzulassen. 1973 wurde Terrid aufgefordert sich an DRAGON zu beteiligen. Die stark termingebundene Arbeit war ihm jedoch noch fremd, und es blieb bei nur zwei Romanen. Im Folgejahr begann er seine Mitarbeit an der ATLAN-Serie, die er bis zur Einstellung der Serie 1988 aufrechterhielt, und 1976 gab er in der PERRY RHODAN-Serie seinen Einstand, der nach sechs Jahren allerdings ausgesetzt wurde. 1992 meldete sich Terrid mit Heft 1598, »Der Tag des Zorns« wieder zurück und blieb der Serie bis zu seinem Tod als Autor und Ideenlieferant verbunden.
Für die Heftreihe TERRA ASTRA entwickelte Terrid ab 1977 das Epos um die »Time Squad«, ein actiongeladenes Abenteuer, das verschiedene Zeitepochen verband. Nach 21 Bänden blieb die Serie unvollendet, da TERRA ASTRA eingestellt wurde, aber Terrid trug sich noch 1998 mit dem Gedanken, sie zu überarbeiten, fortzuführen und abzuschließen, wozu es allerdings nicht mehr kam.
Von 1980 bis 1985 schrieb Terrid auch 31 Romane für die Fantasy-Serie MYTHOR; zu seinen bevorzugten Figuren gehörte der Steinmann Sadagar. Mittlerweile kam er mit den Terminen sowie der Fantasy-Thematik selbst deutlich besser zurecht. 1990 legte Terrid in Zusammenarbeit mit Horst Hoffmann das fünfbändige PERRY RHODAN-Lexikon vor.
1996 publizierte er im Blitz-Verlag einen abgeschlossenen Fantasy-Roman, »Im Reich der Jadegöttin«, der durch zahlreiche autobiographische Elemente auch als Schlüsselroman angesehen werden kann.
Zu den letzten Arbeiten Peter Terrids gehören seine zwei Beiträge zur ATLAN- TRAVERSAN-Miniserie, in der der Arkonide durch eine Zeitmaschine ins Jahr 5772 v. Chr. versetzt wird und im Sternenreich seiner Vorväter den Weg nach Hause sucht. Unter dem Pseudonym John Catlin schrieb er darüber hinaus Western, in der Maske von Pierre Lykoff arbeitete er an der Neuausgabe der Horror-Serie »Dämonenkiller« mit, und als Patrick Wynes publizierte er in den Krimi-Reihen »Kommissar X« und »Die Katze«. Für den Bereich des Frauenromans besorgte sich der Schriftsteller übrigens konsequenterweise ein weibliches Pseudonym: »Gaslicht«-Romane erschienen unter Patricia Wynes. Der in der Karl-May-Gesellschaft tätige Terrid arbeitete auch an einem neuen Winnetou-Roman, der jedoch unvollendet blieb.
Peter Terrids Stärke war neben oft humorvollen und sarkastisch-witzigen Romanen, die nie in Zynismus verfielen, das unauffällige Einbringen seiner allgemeinen Belesenheit, die die Lektüre zum Vergnügen machte.
Terrids spannendstes Werk in den 90er Jahren war wohl das Erarbeiten des ersten deutschen Internet-Romans. Auf der Homepage der deutschsprachigen Weltraumserie PERRY RHODAN erschien ein Fortsetzungsroman, bei dessen Gestaltung die Leser aktiv mitwirken konnten. Wer wollte, konnte beispielsweise eine Kabine an Bord eines interstellaren Kreuzfahrtraumschiffes »buchen« und somit als Person am Internet-Roman mitwirken. Einen zweiten Internet-Roman mit ganz neuen interaktiven Möglichkeiten bereitete der Schriftsteller bereits vor. Und als er am 5. Dezember 1998 einen Monat vor seinem 50. Geburtstag starb, steckte der Science Fiction-Aktivist mitten in der Arbeit an seinem aktuellen Roman, der von Arndt Ellmer vollendet wurde.
 
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